Unit Tests systematisch erweitern

Autor: Roman Mayr

Unit Tests systematisch erweitern

Testautomatisierung ·

Unit Tests sind ein zentraler Baustein der Softwareentwicklung, welche die Grundlage für stabile und leicht wartbare Software bilden. Eine systematische Erweiterung der Unit Tests kann die Qualität des Codes erheblich steigern und die Wahrscheinlichkeit von Fehlern im Produktionscode verringern. Oftmals wird jedoch der Ausbau des Unit Testings vernachlässigt oder unsystematisch angegangen, was die Vorteile dieser Tests erheblich schmälert.

Typische Fehler und deren Korrekturen


  1. Unzureichende Testabdeckung
Ein häufiger Fehler besteht darin, dass der Fokus bei der Entwicklung von Unit Tests auf den offensichtlichsten und einfachsten Fällen liegt. Dadurch bleibt ein erheblicher Teil des Codes ungetestet. Die Lösung besteht darin, systematisch Code Coverage Tools zu nutzen, um Bereiche mit unzureichender Abdeckung zu identifizieren. Ziel sollte es sein, zumindest eine Abdeckung von 70–80 % zu erreichen. Code Review Sitzungen können ebenfalls helfen, blinde Flecken im Testdesign aufzudecken.
  1. Monolithische Testmethoden
Tests, die zu viele Aspekte auf einmal testen, machen es schwer, die Quelle eines Fehlers zu identifizieren. Dadurch wird die Wartung erschwert und Tests sind anfällig für False Positives. Eine gute Praxis besteht darin, Tests möglichst klein und fokussiert zu halten. Eine Methode sollte jeweils nur einen Aspekt der Funktionalität prüfen. Die Aufteilung komplexer Funktionen in kleinere, getestete Einheiten kann ebenfalls hilfreich sein.
  1. Ignorieren von Randfällen
Häufig werden Randfälle übersehen, was zu Stabilitätsproblemen führt. Entwickler sollten sicherstellen, dass Tests auch diese Extremfälle abdecken. Dies erreicht man durch eine bewusste Einschätzung, wo kritische Punkte liegen könnten, sowie durch eine ergänzende Verwendung von Boundary-Value-Analyse für eine systematische Herangehensweise bei der Erstellung von Testfällen.

Handlungsanleitung für die nächsten 14–30 Tage


  • Tage 1–7: Verwenden Sie ein Code Coverage Tool, um die aktuelle Testabdeckung zu ermitteln. Identifizieren Sie die Module oder Klassen, die eine geringe Abdeckung aufweisen und priorisieren Sie diese für die Testentwicklung. Organisieren Sie Brainstorming-Sitzungen im Team, um herauszufinden, welche kritischen Pfade noch ungetestet sind.
  • Tage 8–14: Arbeiten Sie gemeinsam mit Ihren Entwicklern an der Implementierung zusätzlicher Unit Tests in den identifizierten Bereichen. Beginnen Sie mit den am häufigsten genutzten oder besonders kritischen Funktionen. Stellen Sie sicher, dass besonders kleine, klar definierte Testmethoden erstellt werden. Führen Sie regelmässige Code Reviews ein, um Verbesserungsmöglichkeiten anzusprechen.
  • Tage 15–21: Richten Sie den Fokus auf die Randfälle. Entwickeln Sie zu diesem Zweck einen Katalog von typischen Randfällen in Ihrer Software. Nutzen Sie Techniken wie die Boundary-Value-Analyse, um systematische Tests der Randbedingungen zu schaffen. Verifizieren Sie, dass alle Tests eigenständig sind und nicht von der Ausführung anderer Tests abhängen.
  • Tage 22–30: Reviewen Sie die bereits durchgeführten Tests bezüglich ihrer Effektivität und Abdeckung. Passen Sie den Testplan und die Strategie an, wenn neue Anforderungen oder Erkenntnisse auftauchen. Etablieren Sie abschließend eine permanente Praxis, in der der Ausbau und die Wartung von Unit Tests als regulärer Bestandteil des Entwicklungsprozesses angesehen werden.

Durch strukturierte und gezielte Massnahmen kann die Qualität der Unit Tests erheblich gestärkt werden, was sich in langfristiger Stabilität und Wartbarkeit der gesamten Software bemerkbar macht.